
Ein Erste-Hilfe-Kurs ist für viele Menschen selbstverständlich – spätestens beim Führerscheinerwerb oder im Beruf. Doch wer hat schonmal von einem „Letzte Hilfe Kurs“ gehört? Dabei sind diese Kurse ebenso wertvoll. Denn sie geben Antworten auf Fragen, die entstehen, wenn ein geliebter Mensch am Ende seines Lebens steht:
Wie kann ich begleiten, trösten, da sein? Und wie halte ich selbst die emotionale Belastung aus?
Wenn Pflege zur Abschiedsbegleitung wird
Über diese Fragen haben wir mit Danielle Nolte-Bohm gesprochen. Die erfahrene Pflegeberaterin und Geschäftsführerin von Pro Care Consult begleitet seit vielen Jahren pflegende Angehörige und weiß, welche Sorgen und Ängste in dieser Phase besonders präsent sind.
„Viele Angehörige wollen ihrem geliebten Menschen beistehen, haben aber große Angst, etwas falsch zu machen“, sagt Danielle Nolte-Bohm. „In einem Letzte-Hilfe-Kurs lernen sie, dass es in dieser Zeit kein richtig oder falsch gibt – sondern nur das gemeinsame Dasein.“
Manche Angehörige entscheiden sich bewusst dagegen, einen Sterbenden zu Hause zu begleiten – aus Überforderung oder aus Selbstschutz. Auch das sei in Ordnung, betont Nolte-Bohm: „Ehrlichkeit mit sich selbst ist wichtig. Niemand sollte aus Pflichtgefühl handeln. Es ist eine große emotionale Aufgabe – und die darf man auch ablehnen.“
Zwischen Nähe, Loslassen und Unsicherheit
Wer sich für die Begleitung entscheidet, erlebt oft eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Unsicherheit, Überforderung, aber auch tiefe Dankbarkeit wechseln sich ab. Viele fragen sich, was „normal“ ist, wenn ein Mensch im Sterben liegt – oder ob sie Wünsche noch erfüllen dürfen, ohne zusätzlich zu belasten.
„Manchmal sind es kleine Gesten, die zählen“, erklärt Nolte-Bohm. „Ein Lieblingsessen, ein Ort aus der Vergangenheit, ein gemeinsamer Moment der Stille. All dies sind Wege des Loslassens und der Verabschiedung.“
Auch kulturelle und religiöse Prägungen spielen in dieser Lebensphase oft eine Rolle. Manche Sterbende möchten über das Leben nach dem Tod sprechen, andere suchen Halt in Ritualen, Gebeten oder Symbolen aus ihrem Glauben. Diese Gespräche können tröstlich sein – für die Sterbenden wie auch für ihre Angehörigen. Offenheit und Respekt helfen, den letzten Weg im Einklang mit den individuellen Werten zu gestalten.
Hospizdienste und Pflegeberatungen bieten in dieser Zeit wichtige Unterstützung. Sie hören zu, beantworten Fragen und geben Sicherheit. Niemand muss diese Phase allein bewältigen.
Was ist ein Letzte-Hilfe-Kurs?
Ein Letzte-Hilfe-Kurs thematisiert das, was in unserer Gesellschaft zunehmend tabuisiert wird: Sterben und Tod. Dabei betrifft das Thema jeden – ob jung oder alt.
In kompakten Einheiten vermitteln geschulte Kursleiter*innen, wie Angehörige Sterbende praktisch und emotional begleiten können. Es geht nicht um medizinische Behandlung, sondern darum, die verbleibende Zeit lebenswert und schmerzfrei zu gestalten.
Die zentralen Inhalte sind:
- Verständnis für den Sterbeprozess: Was passiert mit Körper und Seele am Lebensende?
- Linderung von Beschwerden: Wie können Ängste, Schmerzen oder Übelkeit gelindert werden?
- Würdevolle Begleitung: Wie schaffe ich eine Atmosphäre des Friedens und der Geborgenheit?
- Selbstfürsorge: Wie kann ich als Begleitende auf meine eigene seelische Gesundheit achten?
„Stark sein, um für andere stark sein zu können – das ist eine der wichtigsten Botschaften“, so Nolte-Bohm. „Wer sich selbst vergisst, kann auf Dauer niemanden tragen.“
Ein Kurs, der Kraft gibt
Die Begleitung eines sterbenden Menschen kostet Kraft – und schenkt zugleich tiefe menschliche Erfahrungen. Wissen und Verständnis können helfen, diese Zeit bewusster und friedlicher zu gestalten.
Im PVM GesundZentrum bieten wir gemeinsam mit den Expertinnen des Evangelischen Klinikums Bethel regelmäßig Letzte-Hilfe-Kurse an. In nur vier Stunden erhalten Angehörige, Freunde und Interessierte wertvolles Wissen, Orientierung und Sicherheit im Umgang mit schwerkranken und sterbenden Menschen.
Die Teilnahme ist kostenfrei – denn jeder Mensch sollte Zugang zu diesem wichtigen Thema haben.
Die nächsten Termine und Hinweise zur Anmeldung finden Sie in unserem Veranstaltungskalender.
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